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Stefan Zweig

Geb. am: 28. November 1881
Fakultät: Philosophische Fakultät
Kategorie: Doktorgradaberkennung

Stefan ZWEIG, geb. am 28. November 1881 in Wien, gest. am 22. Februar 1942 in Petropolis/Brasilien, hatte am 19. Juli 1904 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. phil. in Philosophie erworben.

Stefan Zweig war Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker, Essayist, Übersetzer und Biograf. Nach seiner Matura in Wien 1900 studierte er Philosophie, Germanistik und Romanistik in Wien und Berlin und dissertierte über "Die Philosophie des Hippolyte Taine".
Während des I. Weltkriegs arbeitete er im Wiener Kriegspressequartier und ging 1917 als überzeugter Pazifist vorübergehend in die Schweiz. Ab 1919 lebte er meist in Salzburg.

Bei den Bücherverbrennungen im nationalsozialistischen Deutschland 1933 wurden in Berlin und 18 weiteren deutschen Universitätsstandorten auch die Schriften von Stefan Zweig von der NS-Studendenschaft verbrannt. 1934 emigrierte er nach London. Seit 1935 stand sein Name in NS-Deutschland auf der Liste der verbotenen Autoren und nach dem "Anschluss" im März 1938 wurden bei der Bücherverbrennung am Salzburger Residenzplatz am 30. April 1938 auch die Schriften des Wahl-Salzburgers Stefan Zweig verbrannt.

Stefan Zweig wurde nach Kriegsbeginn britischer Staatsbürger und hielt sich 1940 in New York/USA auf und übersiedelte 1941 nach Petropolis, Brasilien.

Im Februar 1942 nahm sich Zweig in Petropolis das Leben. Seine Autobiografie "Die Welt von Gestern" erschien posthum 1942/1944.

Am 8. Mai 1941 wurde ihm der Grad aus rassistischen Gründen aberkannt, da er im Nationalsozialismus "als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig" galt.

Erst 62 Jahre nach der Aberkennung und sehr lange nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm der Doktorgrad am 10. April 2003 feierlich wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung posthum für "von Anfang an nichtig" erklärt.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale PHIL 1900-1904, Rigorosenakt PHIL RA 1704, Promotionsprotokoll PHIL 1881-1905, Nr. 1401, Rektorat GZ 1386 ex 1939/40 (= S 127.5a), GZ 1309 ex 1941/42, RA GZ 140 ex 2002/03; Stefan ZWEIG, Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers, Stockholm 1944, BOLBECHER/KAISER 2000, KERSCHBAUMER 2003, POSCH/STADLER 2005, 18f., 57, 113, 119-125; POSCH 2009, 11-14, 71, 79, 274, 361f., 499; SILVERMAN 2012, 273n93; Artur LARCATI, Klemens RENOLDNER u. Martina WÖRGÖTTER (Hg.), Zweig. Ein Handbuch, Berlin, Boston 2018.

Herbert Posch


Stefan Zweig, Promotionseintrag mit Aberkennung, Promotionsprotokoll Philosophische Fakultät 1881-1905, Foto: Herbert Posch, (c) Archiv Universität Wien

Stefan Zweig, Wiederverleihung vom 10. April 2003, Promotionsprotokoll Philosophische Fakultät 1881-1905, Foto: Herbert Posch, (c) Archiv Universität Wien

Stefan Zweig
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