Selfisch, Samuel

[895] Selfisch, S. Samuel Selfisch, geb. am 8. Nov. 1529, stammte aus einer Erfurter Buchführerfamilie. Sein Vater, Johannes Selfisch, wie auch sein Großvater, Laurentius Selfisch, waren angesehene Bürger der Stadt, die ihren Buchhandel in ausgedehntem Maße betrieben.

Im 16. Lebensjahre begann Selfisch seine buchgewerbliche Laufbahn. Er machte zunächst bei dem Wittenberger Buchhändler Vogel eine siebenjährige Lehrzeit durch und widmete dann noch 12 Jahre seine Dienste dem damaligen Bürgermeister und Buchhändler Rühel, wobei sich Selfisch durch Zuverlässigkeit und Tüchtigkeit so auszeichnete, »daß ihn Conrad Rühel seiner Verwandtschaft für würdig erachtete«.

1564 machte sich Selfisch durch Kauf der Sortiments- und Verlagsbuchhandlung des verstorbenen Buchführers Christoph Schramm in Wittenberg selbständig. Er übernahm, wie die Erbkaufsurkunde besagt: »alles gehöfft und gerechtigkeith, sambt Haus, u. was darin Nagel und nidfest ist, damit auch die Bücher inhalts eines Imwentarij in etzlichen Fessern eingepact... umb 4050 Gulden.« Selfisch begann alsbald dem Verlage eine größere Ausdehnung zu geben und er hieß es sehr willkommen, als er durch Zufall in den Besitz einer Druckerei gelangte. Er erwarb die 1578 von Schwerdel gegründete Buchdruckerei von des Buchdruckers Matthes Welacks Witwe für 500 Gulden meißnischer Landeswährung. Zur Erweiterung seines Geschäftes erwarb Selfisch sodann 1602 von Burg Kammerberger eine Buchbinderei, für die er 260 Gulden bezahlte. Auch als Papierhändler hat Selfisch Geschäfte gemacht; besonders an Leonhard Thurneysser in Berlin lieferte er größere Posten.

Der Verlag Selfischs war mit der Zeit ein sehr umfangreicher geworden, ein noch vorhandener Katalog verzeichnet für einen Zeitraum von 86 Jahren 807 Novitäten, worunter zehn verschiedene Sprachen vertreten sind. Die von Selfisch verlegten Geistesprodukte gehören nahezu zur Hälfte der Theologie an – darunter 17 Bibelausgaben und 49 Bücher von Martin Luther. Ferner wurde von ihm die Philosophie, Rhetorik, Rechtswissenschaft, Geschichte, Mathematik,[895] Medizin, Physik, Astronomie und Pädagogik vornehmlich gepflegt. Auch sind einige Werke der Musik und Astrologie gewidmet. Besondere Erwähnung verdient ferner die große Anzahl lateinischer, griechischer und römischer Grammatiken und endlich sind die alten Klassiker in reichlicher Auswahl vertreten. Mehrmals hat Selfisch n Gemeinschaft mit Zacharias Schurer, Johannes Berger u. a. Verlagswerke auf den Markt gebracht. So sehen wir, bemerkt sein Biograph, daß Selfisch einer der hervorragendsten Förderer der reformatorischen und klassischen Literatur war und zur Hebung der allgemeinen Bildung seiner Zeit wesentlich beitrug.

Selfisch betrieb einen weitverzweigten Bücherhandel; mit den Meßplätzen Frankfurt a. Main und Oder, sowie Leipzig unterhielt er einen ständigen und lebhaften Verkehr.

Im bürgerlichen Leben bekleidete Selfisch eine sehr angesehene Stellung. 1569 wählten ihn seine Mitbürger zum Ratsherrn; als solcher verwaltete er das Kämmereramt. 1585 wurde er zum Bürgermeister der Stadt Wittenberg gewählt und bekleidete er diese Vertrauensstellung 30 Jahre lang. 86 Jahre alt, starb Selfisch am 7. Januar 1615.

Unter seinen Nachfolgern blühte das Geschäft noch eine Reihe von Jahren weiter. Die Buchhandlung des Vaters übernahm Mattheus Selfisch. Am 2. November 1572 geboren, bezog er, 15 Jahre alt, die Universität und wurde 1601 ins Ratskollegium aufgenommen, 1619 zum Ratskämmerer und 1628 zum Stadtrichter ernannt. Nach seinem 1636 erfolgten Tode ging das große Geschäft immer mehr zurück, eine große Reihe von Nachkommen halfen außerdem an der Vermögensverkleinerung und zwei Jahre später liquidierte die ehemals so stolze Handlung. Hatten schon die Kriegsjahre ihr Teil am Verfall getan, das Fehlen eines intelligenten Geschäftsleiters geriet dem Geschäfte schließlich endgiltig zum Ruin.

Quellen: Leonhard, Samuel Selfisch, Leipzig 1902.

Quelle:
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Berlin/Eberswalde 1908, S. 895-896.
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